Warum sollte man Bilder erschaffen?
Die weiße Glockenblume
Die Erzählung über die Geburt des Bildes begann mit den Nelken, die unter den Rädern unversehrt geblieben waren. Es ist bemerkenswert, dass sich dieser Vorfall als so ergiebig herausstellte, dass er anschließend als Stoff für eine poetische Filmerzählung über eine Stadt, einen Menschen und einen Traum diente.
Ich stellte mir eine riesige, moderne Stadt mit Tausenden von Menschen und Autos vor. Die Stadt erwacht. Sie eilt zur Arbeit. Sie ist erfüllt vom Motorenlärm, dem Geräusch der Straßenbahnen, den Sirenen der Baukräne und den Stimmen der Menschen. Durch all den Lärm hört man die Stöße einer Ramme, die an das Schlagen eines gigantischen Herzens erinnert. Sie geben dem äußeren Straßenbild und den Dissonanzen Zielrichtung und Rhythmus.
Die Stadt steigert das Tempo. Durch die Straßen transportiert man verschiedene Waren: Brot, Zement, Rohre, Kleidung, Bücher … und Blumen. Man lädt sie vor den Geschäften, den Kiosken und auf dem Blumenmarkt ab. Sie sind eine gewöhnliche Last des Tages, eine Ware.

Und in dieser dröhnenden Stadt entdecken wir eine kleine Person, ein Mädchen. Zuerst schlendert sie ohne Ziel herum, dann wird sie in der Vitrine des Blumenladens von weißen Glockenblumen angezogen. Sie will sie anfassen, schließlich kaufen, aber in der Eile verliert sie ihre Kopeken. Die Münzen rollen weg. Eine kann sie mit der Hand festhalten, aber auf die andere tritt ein Fußgänger. Die Münze klebt an seinem Absatz. Das Mädchen rennt hinter ihm her. Doch da taucht ein Lastwagen mit eben solch weißen Glockenblumen auf …